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Genetische Aspekte affektiver Erkrankungen und der Schizophrenie

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Author(s): Schosser A | Kindler J | Mossaheb N | Aschauer H

Journal: Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie
ISSN 1608-1587

Volume: 7;
Issue: 4;
Start page: 19;
Date: 2006;
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Keywords: Depression | Epilepsie | Genetik | Psychiatrie | Schizophrenie

ABSTRACT
Sowohl affektive Störungen (unipolare Depression, bipolar affektive Störung) als auch Schizophrenien treten familiär gehäuft auf, und eine multifaktorielle Genese gilt heute als gesichert, d. h. es ist eine Beteiligung mehrerer Gene und deren Interaktion mit nicht-genetischen Umweltfaktoren anzunehmen. Es handelt sich dabei aller Wahrscheinlichkeit nach um "Vulnerabilitätsgene", die das Risiko für diese Erkrankungen vermitteln. Statistische Risikozahlen für Verwandte von Patienten können bei genetischen Beratungen angegeben werden. Molekulargenetische Untersuchungen (Kopplungs- und Assoziationsuntersuchungen) befinden sich v. a. bei der Depression noch in der Anfangsphase. Signifikante Ergebnisse betreffen bis dato eine Variation in der Promotorgegion des Serotonin-Transportergens (5-HTT), wobei das kurze Allel mit einem erhöhten Risiko für Depression assoziiert ist. In jüngster Zeit wurden von verschiedenen Arbeitsgruppen erstmals Vulnerabilitätsgene für die bipolar affektive Störung identifiziert und repliziert. Es wird eine Rolle des Serotonin-Transportergens als Risikofaktor für die Entwicklung einer Antidepressiva-induzierten Manie bei bipolar affektiver Störung diskutiert. BDNF ("brain derived neurotrophic factor") kann mit der Adaptation auf Streßexposition und mit dem Ansprechen auf antidepressive Therapie in Zusammenhang gebracht werden, und könnte ebenfalls eine Rolle in der Genese bipolar affektiver Störungen spielen. Es gibt Hinweise, daß eine Variation des G72 (DAOA, D-Aminosäure-Oxidase-Aktivator)/G30-Locus auf Chromosom 13q, welcher ursprünglich mit der Genese der Schizophrenie in Zusammenhang gebracht wurde, auch die Vulnerabilität für die bipolar affektive Störung beeinflußt. Neuregulin1 (NRG1) wurde als ein Kandidatengen für Schizophrenie identifiziert. Weiters wurde eine Assoziation von Schizophrenie mit dem Dysbindingen gefunden, welche in mehreren, jedoch nicht in allen, Studien bestätigt werden konnte. Das auf Chromosom 13q34 lokalisierte Gen G72 interagiert mit dem auf Chromosom 12q24 lokalisierten Gen für die D-Aminosäure-Oxidase (DAAO). Diese Interaktion führt zu einer Aktivierung der DAAO und daraus resultierender verminderter Aktivität des NMDA- (N-Methyl-D-Aspartat-) Rezeptors. Dies wiederum ist vermutlich ein molekularer Mechanismus, welcher die Vulnerabilität für Schizophrenie erhöht. Weiters wurden Assoziationen mit dem Prolin-Dehydrogenase- (PRODH-) Gen, dem Gen für die Catechol-O-Methyltransferase (COMT) und dem RGS4- (Regulator-of-G-Protein-Signaling-4-) Gen gefunden. Da es sich um insgesamt multifaktorielle Erkrankungen handelt und die genetischen Vulnerabilitätsfaktoren in der Allgemeinbevölkerung eine hohe Frequenz aufweisen, werden molekulargenetische Tests für Diagnose und Prädiktion auch in Zukunft keine Bedeutung haben.
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