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Individuelle Loslösung von Radikalisierungsprozessen. Stand der Forschung und eine Überprüfung bestehender Theorien anhand eines Ausstiegsfalls aus dem militanten Salafismus

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Author(s): Daniela Pisoiu | Daniel Köhler

Journal: Journal EXIT-Deutschland : Zeitschrift für Deradikalisierung und Demokratische Kultur
ISSN 2196-8136

Volume: 2;
Issue: 2013;
Start page: 241;
Date: 2013;
Original page

Keywords: Deradikalisierung | Islamismus | Aussteigerbericht | Salafismus | Millatu Ibrahim

ABSTRACT
Die Forschung über gewalttätige Radikalisierungsprozesse hat in den letzten Jahren exponentiell, insbesondere im Bereich der Terrorismusforschung. Dabei wurde auch auf Theorien aus unterschiedlichen Forschungsbereichen außerhalb der Politikwissenschaft zurückgegriffen, wie beispielsweise der Soziologie, Psychologie oder Kriminologie. Derlogische Gegenpart – Deradikalisierungsforschung – hat bisher allerdings nur geringe wissenschaftliche Beachtung erfahren. Mit Ausnahme einiger weniger Hauptwerke (Bjørgo &Horgan, 2009; Horgan, 2009a; e.g. Noricks, 2009) bleibt das Feld noch größtenteils eine Forschungslücke (vgl. Dechesne, 2011; Fink & Haerne, 2008; Horgan, 2008; Horgan &Braddock, 2010; Reinares, 2011). Trotz wichtiger konzeptueller und empirischer Bemühungen bleibt der Deradikalisierungsprozess weitestgehend theoretisch unzureichend reflektiert, sodass die Formulierung von adäquaten politischen Gegenmaßnahmen oder dieForcierung von Auslösebedingungen individueller Deradikalisierungsprozesse vonhypothetischer Natur ist. Des Weiteren wurden Ansätze und Ergebnisse aus der internationalen Kriminologie zum Thema ‚desistance’, die auf eine lange Tradition blickt (vgl.Kazemian, 2007; Laub & Sampson, 2001), nur selten auf die Deradikalisierungsforschung übertragen. In der Bundesrepublik sind die oben aufgezählten Studien weitestgehend unbekannt. Weder existiert hierzulande eine etablierte Radikalisierungs- noch eineDeradikalisierungsforschung bislang (vgl. Köhler, 2013). Deradikalisierung wird als praktischer Aufgabenbereich von Sozialarbeitern erachtet – was jedoch die politischen und strategischen Implikationen von Deradikalisierungsprogrammen für nationaleTerrorismusbekämpfungsstrategien vernachlässigt (vgl. Dechesne, 2011).In diesem Artikel werden wir zuerst den aktuellen Stand in der Terrorismus- und Radikalisierungsforschung über individuelle Radikalisierungs- und Deradikalisierungsprozesseeinführen, sowie deren Verbindung zu weiterführenden Forschungsthemen aus der Kriminologie und Forschungsliteratur über Sekten thematisieren. Dieser Überblick baut auf zwei analytischen Ebenen auf: individuelle Beweggründe und Prozesse sowie Differenzierunginnerhalb spezifischer Deradikalisierungsfaktoren und umgekehrten Radikalisierungsfaktoren. Abschließend überprüfen wir die grundlegenden Theorien undAnsätze anhand eines konkreten Fallbeispiels aus Deutschland im Bereich islamistischer Deradikalisierung.
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