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Mode, Kleidung, Kunst. Rezensionsessay zum Schwerpunktthema

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Author(s): Brunhilde Wehinger

Journal: querelles-net
ISSN 1862-054X

Volume: 10;
Issue: 2;
Date: 2009;
Original page

Keywords: Ästhetik | Bildende Kunst | Kleidung | Körper | Kultur | Geschlecht | Gender

ABSTRACT
Zwei neue Studien widmen sich dem Verhältnis von Kleidung und Geschlecht beziehungsweise Kleidung und Körper. Wie Frauen und Männer in ihrer alltäglichen Praxis des ‚Sich-Kleidens‘ mit den modischen Erscheinungsbildern von Männlichkeit oder Weiblichkeit umgehen, untersucht die Kulturwissenschaftlerin Cordula Bachmann. Sie wertet aktuelle Interviews zum Kleidungsverhalten von Frauen und Männern aus und rückt dabei die Perspektive der Handelnden, die das alltägliche ‚Sich-Kleiden’ als eine primäre soziale Anforderung zu lösen haben, ins Zentrum des Interesses. Den aufsehenerregenden künstlerischen Umgang mit Kleidung in Form von textilen Kunstobjekten, die sich mit dem menschlichen Körper befassen und der Art und Weise, wie er mittels Kleidung und Textilien repräsentiert oder transformiert wird, untersucht die Kunsthistorikerin Cora von Pape. Das alltägliche weibliche Chaos des Sich-Ankleidens angesichts der täglichen Herausforderung, sich bei der Entscheidung für oder gegen ein Kleid, sich auch für oder gegen eine Frauenrolle entscheiden zu müssen, das in den von Bachmann ausgewerteten Interviews thematisiert wird, scheint auch in den Performances oder textilen Kunstobjekten vieler von Cordula von Pape vorgestellten Künstlerinnen der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts auf, allerdings künstlerisch-experimentell bearbeitet in eindrucksvollen (Selbst-)Inszenierungen, die der gewaltigen Symbolik des Sich-Ankleidens, der Kleider als Körperhüllen oder Reliquien, die an die Stelle des verschwundenen Körpers treten, auf den Grund gehen.Two new studies dedicate themselves to the relationship between clothing and gender, or rather, clothing and body. The cultural studies scholar Cordula Bachmann examines how women and men in their daily practice of “dressing themselves” must deal with fashionable images of masculinity or femininity. She evaluates recent interviews on dressing behaviors of women and men and places the perspective of the dresser, who must “dress” daily to fulfill a primary social demand, in the center of the interest. The art historian Cora von Pape examines the sensational artistic approach to clothing in the form of textile art objects that concern themselves with the human body and the manner in which the body is represented or transformed through clothing and textiles. In her analysis of interviews, Bachmann thematizes the common female chaos of dressing: the daily challenge of having to decide for or against a dress as also having to decide for or against a women’s role. This appears also in the performances and textile art objects of many of the artists of the latter half of the 20th century introduced by von Pape. Here, the theme is of course artistically-experimentally worked into impressive (self-)performances, which get to the heart of the tremendous symbolism of dressing. Clothing is a body sheath or a relic, which appears in place of the missing body.
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