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Theoretische Ansätze zur Erklärung individueller Radikalisierungsprozesse: eine kritische Beurteilung und Überblick der Kontroversen.

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Author(s): Daniela Pisoiu

Journal: Journal EXIT-Deutschland : Zeitschrift für Deradikalisierung und Demokratische Kultur
ISSN 2196-8136

Volume: 1;
Issue: 2013;
Start page: 41;
Date: 2013;
Original page

Keywords: Individuelle Radikalisierungsprozesse | Kontroversen | Rechtsextremismus

ABSTRACT
Radikalisierung ist ein Modewort in jener Forschungslandschaft geworden, die sich bisher überwiegend mit Terrorismus, Extremismus und politischer Gewalt beschäftigt hat. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und im Speziellen durch den wahrgenommen Anstieg an „hausgemachter“ (engl. „homegrown“) Radikalisierung (symbolisch verdeutlicht durch die Anschläge in London und Madrid), hat sich der Fokus auf die Phase vor der eigentlichen Beteiligung an terroristischen Handlungen verschoben, in der Hoffnung brauchbare Interventionsmechanismen in einem „präventiven“ Ansatz entwickeln zu können. Radikalisierungsforschung hat sich als eine größtenteils politisch initiierte Forschungsagenda in den letzten Jahren stark entwickelt; auf der einen Seite baut sie auf der existierenden Forschung zu Terrorismus und Extremismus auf und auf der anderen Seite greift sie andere theoretische Stränge – wie die Theorie der sozialen Bewegungen oder Subkulturen – auf. Ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, wird dieser Artikel im ersten Teil einen Überblick über die wichtigsten theoretischen Ansätze zur Erklärung von Radikalisierung, wie sie in der Forschung zu islamistischer und rechtsextremer Radikalisierung entwickelt worden sind, liefern und entlang von drei analytischen Ebenen – Makro-, Meso- und Mikroansätze – skizzieren. Es werden dann verschiedene theoretische und methodologische Kritikpunkte aufgezeichnet, insbesondere das Spezifizitätsproblem, die Schwierigkeit eine Theorie zu entwickeln, sowie die Stichprobenverzerrungen. Es werden anschließend verschiedene Lösungsansätze vorgeschlagen: eine verstärkte Anwendung der Deutungsrahmenanalyse, um eine Brücke zwischen strukturellen Faktoren, Diskurs und individueller Wahrnehmung zu bauen; die Notwendigkeit Übergangsmechanismen von Wahrnehmung zu Verhalten zu erforschen; und eine Motivationsanalyse auf einer höheren kategorische Ebene durchzuführen, die mehr auf soziale und diskursive Dynamiken, als auf individuelle oder Gruppenmerkmale fokussiert.Der zweite Teil dieses Artikels thematisiert mehrere umstrittene Aspekte innerhalb der islamistischen Radikalisierungsforschung. Es wird argumentiert, dass Ansätze die auf Merkmale ‚muslimischer‘ Gemeinschaften zurückgreifen, ungeeignet sind für die Erklärung von individuellen Radikalisierungsprozessen, die zu Terrorismus führen könnten. Angesichts der Komplexität und globalen Natur des Dschihadismus, wird der Begriff ‚hausgemachter‘ Radikalisierung als problematisch dargestellt. Die eine Radikalisierung fördernde Rolle der Religion und religiöser Organisationen wird nur begrenzt eingeräumt, und zwar nicht als Ursache, sondern als möglicher unterstützender Faktor für bestimmte individuelle Entscheidungen bzw. Vernetzung. Schließlich wird die Rolle des Internets mit Bezug auf Kommunikation und Vernetzung sowie die Problematik des Online-Trainings geschildert.
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