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Über die Notwendigkeit einer deutschen Deradikalisierungsforschung und die entsprechenden Grundlagen.

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Author(s): Daniel Köhler

Journal: Journal EXIT-Deutschland : Zeitschrift für Deradikalisierung und Demokratische Kultur
ISSN 2196-8136

Volume: 1;
Issue: 2013;
Start page: 20;
Date: 2013;
Original page

Keywords: Deradicalization | Disengagement | Desistance | Literature Review | Deradikalisierung

ABSTRACT
Seit über 20 Jahren werden bereits in Deutschland Programme des Bundes, der Länder, von nicht-staatlichen Institutionen oder zivilgesellschaftlichen Trägern durchgeführt, welche man im modernen internationalen Sprachgebrauch als „Deradikalisierungsarbeit“ bezeichnen könnte. Mit stark unterschiedlichen qualitativen und quantitativen Prämissen wurden dabei Erfahrungen gesammelt, welche durchaus im internationalen Kontext eine deutliche Beachtung finden würden. Nicht ohne Grund wurde die Idee der „Deradikalisierung“ (dort verstanden als „umgekehrte Radikalisierung“) als eine der wichtigsten zukunftsweisenden Konzepte vom Time Magazine im Jahr 2007 auf Platz vier gewählt. Dennoch werden die hierzulande gemachten Erfahrungen in der internationalen Forschung und gesellschaftspolitischen Debatte zu diesem Thema nicht wahrgenommen, was einerseits an der nahezu vollständig fehlenden internationalen Anbindung der gesammelten Erfahrungen (international verwertbare wissenschaftlichen Veröffentlichungen) und andererseits an einer deutschlandweit fehlenden kohärenten und strukturierten Deradikalisierungsforschung, welche die praktischen Erfahrungen entsprechend wissenschaftlich aufarbeiten könnte, liegt. In Deutschland wurde Deradikalisierung politisch und gesellschaftlich nahezu vollständig unter dem Begriff „Ausstiegsarbeit“ subsumiert und als (sozial-)pädagogische Aufgabe von zivilgesellschaftlichen Trägern oder politischen Rahmenplänen gesehen. Es wurde gemeinhin übersehen, dass in solcherlei praktischer Arbeit eine Unmenge an Wissen über soziale Prozesse im Allgemeinen und Deradikalisierung im Speziellen gesammelt wird. Zu Verstehen warum sich Menschen dazu entschließen in extremistischen und terroristischen Milieus oder Gruppen aktiv zu sein (Radikalisierung) und warum sie diese dann in einigen Fällen wieder verlassen (Deradikalisierung) sind Fragen, denen sich international seit Jahrzehnten eine große Zahl angesehener Forscher verschrieben haben. Wissenschaftlich gesehen handelt es sich bei diesen Projekten um „Win-Win“ Situationen.
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