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Lücken im „Zaun der Zivilisation“. Der Begriff des Kannibalismus und die Instabilität in der Konstruktion kultureller Grenzen

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Author(s): Matthias Kaufmann

Journal: AEON - Forum für junge Geschichtswissenschaft
ISSN 1869-4519

Volume: 2;
Start page: 8;
Date: 2010;
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Keywords: cannibalism | early modern history | travelogue

ABSTRACT
Das Bild vom wilden Kannibalen bestimmt die Reiseberichte und Weltbeschreibungen nicht erst seit Christoph Columbus oder James Cook. Das Motiv des archaischen Menschenfressers findet sich bereits mit dem Polyphem des Homer in der griechischen Antike. Dabei ist auffällig, dass die Anthropophagie - der Verzehr von Menschenfleisch durch Menschen - seit der Antike nicht nur dazu dient, kulturelle Andersartigkeit zu markieren, sondern sie auch zu stigmatisieren. Im ersten Teil seines Beitrags stellt der Verfasser die Konstruktion des frühneuzeitlichen Kannibalismusbildes in Europa dar und verdeutlicht, wie dieses genutzt wurde, um die moralische Überlegenheit der eigenen Zivilisation gegenüber einer anderen Kultur zu behaupten. In einem zweiten Teil wird danach die Anthropophagie mit der frühneuzeitlich europäischen Heilkunde und dem dort etablierten pharmazeutischen Verzehr von Fett, Blut und Mumia in Beziehung gesetzt, wobei deutlich wird, dass Kannibalismus keine Frage zivilisatorischer Stufen ist.
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